Wenn man seit vielen Jahren im Freundeskreis und seit einiger Zeit auch in einer Sektion Touren führt, dann stellt sich irgendwann die Frage nach der größeren Verantwortung. Oder anders ausgedrückt: Wie kann man sich engagierter und zugleich verantwortungsbewußt ins Vereinsleben einbringen? Die ehrenamtliche Arbeit lastet erfahrungsgemäß auf viel zu wenigen Schultern. Diese ein wenig zu entlasten und gleichzeitig Eigenes einbringen – warum eigentlich nicht?
Nachdem ich Interesse an einer Ausbildung zum Wanderleiter signalisiert hatte, ging es relativ schnell. Die Anmeldung erfolgte und die Sektion unterstützte das Vorhaben – auch finanziell. Nach einer kleinen Weile kam aus München die Absage: Wegen großer Nachfrage sind alle Lehrgänge überbucht. Kompromiß: ein Wartelistenplatz, falls wider Erwarten noch jemand abspringen sollte. Für 2006 hatte ich danach generell mit dem Thema abgeschlossen.
Dann kam kurzfristig nochmal Post aus München: Wegen anhaltend starkem Interesse wurden zusätzliche Lehrgänge eingerichtet und wenn ich wollte, könne ich mich für einen dieser Zusatzlehrgänge anmelden. Klar wollte ich! Schnellanmeldung per Fax – und fast genauso schnelle Bestätigung retour.
So fuhr ich am 10.09.2006 nach Tirol. Das Hans-Berger-Haus im Kaisertal war das Ziel. In diesem urigen Naturfreundehaus ( Keine Berührungsängste beidseits! ) gab es Unterkunft, Verpflegung ( Leckerstes Essen vom Feinsten – mit Nachschlag! Die Chefin kochte höchstselbst. ) und Theorieausbildung. Zu den Ausbildungsinhalten gehörten u.a.
- Führungstechniken
- Bergsteigen
- Orientierung
- Wetterkunde
- Bergrettung
- 1.Hilfe
- Umwelt- und Naturschutz
- Recht und Versicherung.
Die theoretischen Inhalte wurden auf täglichen Touren durch das wunderbare Kaisergebirge ( Wilder und Zahmer Kaiser ) praktisch angewandt. Das Team wurde dazu in zwei Gruppen mit je einem erfahrenenen Bergführer aus dem Bundeslehrteam aufgeteilt. Jeder Wanderleiter-Aspirant war im Wechsel für die Führung der Gruppe über alpine Wege, wegeloses Gelände sowie auf Gipfel verantwortlich. Praxisbezogene, erlebnisorientierte Ausbildung. Die geführten Tagesetappen über 6-9 Stunden gaben den Ausbildern Aufschlüsse über die Führungsqualitäten der Aspiranten, aber auch über ihren konditionellen Zustand. Diese Beurteilung floß in die Abschlußbewertung ein.
Was wäre eine Ausbildung ohne Abschlußprüfung? Ja, es gab sie. Keine Multiple-Choise-, sondern offene Fragen quer durch alle Ausbildungsinhalte waren zu beantworten. Man mußte aufschreiben, was man wußte oder wenigstens glaubte zu wissen. Dazu ein Tip: Fragebögen kann man vorn und hinten gleichermaßen bedrucken. Es hat sich bewährt, diese Bögen auch auf Vorder- und Rückseite zu lesen. Wer Lesen kann, ist gebildet. Wer es auch tut, ist klar im Vorteil. Obwohl ich die Rückseite eines Bogens mit mehreren Prüfungsfragen schnöde ignorierte, attestierte man mir eine bestande Prüfung.
Leute glaubt es mir: danach schmeckt das Bier nochmal so gut! Natürlich nur, wenn man welches trinkt.
Zusammengefaßt kann man festhalten:
- eine qualitativ hochwertige, fordernde und gutgemachte Ausbildung
- absolut kompetente und engagierte Ausbilder
- Unterkunft total urig und Verpflegung vom Allerfeinsten
- Kaiserwetter im Kaisergebirge
- und ein absolut tolles Team.
Diese Ausbildung hat viel Spaß gemacht und sie hat mir etwas gegeben. Dafür danke ich dem DAV, meiner Sektion Dresden und allen, die zum Gelingen beigetragen haben.
Jetzt aber raus, auf Touren…!